WKU Weltmeisterschaft 2019

15. - 21. Oktober 2019 in Bregenz/Österreich

WKU Weltmeister 2019 im Korean Style - Wenn ein Traum wahr wird ...

 

Weltmeisterschaft Nummer 13. Bregenz, Österreich. Oktober 2019. Der Traum ist zur Wirklichkeit geworden. Endlich.

 

Aber der Reihe nach. Es ist Donnerstag, 17. Oktober, Qualifikationstag der Erwachsenen. Ich starte im Hard Style und im Korean Style. In beiden Klassen bin ich nach den beiden Bronze Medaillen aus Athen als Starter gesetzt. Es ist einer dieser Tage, an denen man aufsteht und fühlt, dass es ein guter Tag ist oder noch werden kann. Es wurde ein guter Tag.

 

Zur erst ist die Hard Style Klasse dran. Alle Medaillengewinner des Vorjahres sind am Start. Ryan Ritchie aus Canada, Marvin Dibke aus Neuwied und Rommel Gargoles aus den USA. Was ein Starterfeld. Meine Form läuft sehr gut und ich gehe zurfrieden von der Fläche. Der Fokus liegt aber auf dem Korean Style. Mein Ziel ist das Einzelfinale in dieser Klasse. Aber jetzt läuft der Hard Style, ein geiler Wettkampf. Keiner zeigt Nerven, die Leistungen durchweg absolute weltklasse. Kein leichter Job für die Referees aber das ist diesmal nicht mein Problem. Meine Wertungen kommen... wow, das dürfte für eine Medaille reichen. Welche? In diesem Augenblick keine Ahnung, nichts ist klar. Dann kommt die Auswertungen. Stechen. Echt jetzt? Gegen wen? Gegen Marvin Dibke, den Titelverteidiger. Krass. Es geht um Platz 2. Ich bin zufrieden mit dem Stechen aber es reicht nicht für das Finale, egal. Wieder Bronze im Hardstyle. Die Medaille ist save, Bronze. Und das sogar vor dem späteren Karate Traditonal Weltmeister. Ein geiles Ergebnis. Jetzt kann der Korean Style kommen.

 

Im Korean Style starte ich als vorletzter durch den Medaillengewinn im Vorjahr. Heute ist mein Tag, ich will endlich in mein erstes Zweier Finale. Egal gegen wen. Meine Form ist nochmal stärker als im Hardstyle. Wer ist noch in der Klasse? Rommel Gargoles aus den USA, mehrfacher Weltmeister in diversen Klassen. 2015 & 2016 auch Weltmeister im Korean Style. Weitere Sportler aus den Niederlanden, Deutschland, USA und Canada. Teilweise gerade aus der Jugend hoch gekommen. Die Ergebnisse kommen und ich warte auf meine Noten und endlich, es reicht - Finale! Endlich, Gegen wen? Gegen meinen Freund Rommel Gargoles. Ein wirklicher weltklasse Sportler und absolut feiner Kerl. Er startete bei dieser WM in 10 Klassen - und erreicht in 10 Klassen das Finale, der versteht sein Handwerk aber am Sonntag geht es Mann gegen Mann. Finale.

 

Es ist Sonntag, der 21. Oktober, Finaltag. Mein Tag. Mein erstes Finale im 2er Modus. Diese eine Chance auf die ich immer gewartet habe und für die ich extrem hart gearbeitet habe. Jetzt liegt es an mir zuzugreifen aber was liegt vor mit? Mehr als Berg, zwischen mir und dem Titel steht Rommel Gargoles. Ich will diesen Titel, der letzte Titel der in meiner Sammlung fehlt. Ich will es, ich will diesen Einzel Weltmeistertitel. Ich gehe auf Platz 2 ins Finale. Ich muss also als erster starten und dann das Ding drehen. Ein Herkules Job aber wenn nicht jetzt, wann dann. Wer weiß, ob ich diese Chance noch einmal bekomme. Auf meinen Kopfhörern läuft "Lose Yourself" von Eminem - "Look, if you had, one shot or one opportunity, to seize everything you ever wanted, would you capture it or just let it slip?" Das Ist Frage, alles für meinen Moment. Training, Erfahrung, Fokus. Alles stimmt. Der Bundestrainer Oliver Mainusch gibt mir nur Sekunden vor dem Start noch einen Tipp, er trifft den perfekten Moment. Jetzt ist mein Moment.

 

Ich gehe auf die Fläche, alles passt. Der Fokus, die Techniken. Das ist es. Das WM Finale und da ist das Adrenalin, das deinen Körper mehr frei gibt als sonst. Es läuft, das ist jetzt meine Fläche - ich will diesen Titel. Letzte Technik, Kampfschrei. Boom! Die Halle ist da, das war ein Brett, die Halle spürt das und besonders meine Deutschen Teamkollegen. Jetzt ist Rommel dran und ich kann mich nicht erinnern, dass seine Form gefühlt solange gedauert hat. Macht er einen Fehler? Nein, nichts. Kein Wackler. Er steht den Druck. Wie ein Champion. Wow, das wird knapp. Wir stellen uns auf und gratulieren uns. Eben noch Battle aber jetzt sofort wieder Freunde - das ist Sport. Der Referees entscheiden sich. Ich sehe nur Hände Rechts, Hände links. Keine Ahnung, das ist gerade etwas viel und dann der Jubel des Bundestrainers im Hintergrund und der Deutschen - unfassbar, ich habe gewonnen, 3:2 für mich. Gold. Weltmeister. Alle Dämme brechen. Die Tränen kann ich nicht zurück halten aber das ist mir auch egal.

25 Jahre in diesem Sport, oft belächelt aber niemals aufgegeben aber auf der ganz großen Bühne oft sehr sehr knapp gescheitert. Diesmal nicht, das war dieser Moment und ich habe zugegriffen. Korean Style Weltmeister. WM Finale gedreht und einen der besten Sportler der Welt geschlagen. Ein unglaubliches, unbeschreibliches Gefühl. Es gibt in diesem Moment kaum einen glücklicheren Mann in der Halle. Endlich habe ich Ihn, meinen Titel im Einzel.

 

Gregor Bär, Korean Style Weltmeister 2019. Ein Traum ist wahr geworden.